Montag, 18. Februar 2008

"Annemariemarie, wie heißt dein drittes Kind?"

Heute war Schwägerinnengeburtstag, und da ich nicht mehr annähernd nüchtern bin und man das auch nur in der Muttersprache schildern kann, gibts heut mal einen Eintrag in selbiger. Nach 11 Stunden Arbeit und 5 Stunden Schlaf war ich heut auch nicht so das fitteste Wesen auf Erden. Um drei gings dennoch rüber zu den Nachbarn und ihrem größeren und beheizten Partyraum. Um vier gabs Kaffee und Kuchen. Danach begann meine Schwägerin mit dem Bowle und Schnaps verteilen. Pursi dachte sich "Ummm, Rhabarberschnaps, lecker." Diese Einstellung erwies sich als eine essentielle Grundvorraussetzung für den Abend.

Um fünf stimmte Pursi-Mutter das erste Lied an. Ein Sauflied, an dessen Ende man eben das Glas Schaps vor sich leerte. Pursi-Mutter hatte außerdem freien Zugang zum Sekt. So weit so gut, denn so läuft das immer in diesem Dorf. Um sechs: Pursi hat das erste Glas Bowle wech und diverse Gläser Rhabarberschnaps auch. Trotz leichtem Rausch hört sie der 11-jährigen Nachbarin Englisch-Vokabeln ab. Englisch spricht sich im Suff schließlich am besten.

Um sieben gibt es Abendbrot per Buffet. Mjammi. Schwägerinnen-Neffe kommt kuscheln und hält Pursis Zeigefinger in seiner Patschehand. Auch wenn er Pursi eigentlich nur sehr flüchtig kennt, aber wenn man Ruhe will ist einem alles egal. Um acht dann gehts mit Schnaps und Bowle weiter. Kurz danach werden von Pursi-Mutter die nächsten Leider angestimmt. In diesem Dorf singt man nunmal, wenns einem gut geht. Und bei Feiern wird hier quasi immer gesungen. Um neun: der minderjährige Schwägerinnen-Neffen ist zu Bett gebracht (nachdem er mal eben eines der Schnapsgläser ausgeleckt hat, was sich als nicht so lecker erwies), also kann man auch langsam mal versaut werden. Pursi-Mutter beginnt die etwas deftigeren Lieder anzustimmen, Schwägerinnen-Oma, Nachbarin und eigene Oma stimmen mit ein. "Der Fuchs läuft durch den Wald, der Fuchs läuft durch den Wald, er hat die Elster angeknallt, jetzt läuft sie schwanger urch den Wald, der Fuchs läuft durch den Wald. Der Igel mach nuff nuff, der Igel macht nuff nuff, 'Was ist denn hier im Walde los, ich dacht wir sammeln Beern und Moos.' Der Igel macht nuff nuff. Der Borstel hats gesehn, der Borstel hats gesehn, da blieb ihm glatt der Piepmatz stehn, drum musst er in die Ecke gehn, der Borstel hats gesehn." Pursi und Pursi-Bruder fangen langsam an sich zu fragen, was da in dem Sekt war. Statt genauerer Nachforschungen verlangt Pursi allerdings nach mehr Schnaps. Das hilft beim Zuhören. Aber immer noch: so weit, so normal in diesem Dorf. Immer wieder gut: das Lied vom Schornsteinfeger: "Schornsteinfeger möcht ich werden simserimsimsim. Ist der schönste Beruf auf Erden simserimsimsim. Ging die erste Treppe runter simseriemsimsim. War die erste Magd schon munter simserimsimsim.
'Schornsteinfeger du bleibst hier juwiderallala Heute wird gefegt bei mir oho aha!'"

Den Rest des Textes muss ich bei Gelegenheit mal reineditieren, but you catch my drift. Pursi und der Rest der Festgesellschaft hören amüsiert zu. Pursi-Bruder würde gerne bremsen, aber wie bremst man eine Dampflokomotive in voller Fahrt? So gegen 10 haben wir den Trinkspruch in gesungener Form von Hermann Löns circa 15 Mal gehört. 'Hermann Löns, es brennt die Heide...', so oft wie die heut schon gebrannt hat, ist langsam nichts mehr übrig von ihr. Aber am Ende eines Trinkspruches kommt ja Gott sei Dank immer da Löschen. Pursi füllt zum fünften Mal ihr Bowleglas und zum 10 Mal das Schnapsglas. Je mehr zum Löschen, desto besser.

Gegen 11 sind wir dann bei Annemarie und Pursi singt fröhlich mit. Das Lied ist ein Klassiker, den man nach drei Dorffesten gut kennt: "Annemariemarie, wie heißt dein erstes Kind? Das Kind heißt Friedrich, es war ein Jungfernstich, eieiei Jungejungejunge, Annemarie." "Annemariemarie, wie heißt dein zweites Kind? Das Kind heißt Henriette, denn es geschah auf der Damentoilette, eieiei Jungejungejunge, Annemarie." "Annemariemarie, wie heißt dein drittes Kind? Das Kind heißt Waldemar, weil es im Wald geschah, eieiei Jungejungejunge, Annemarie." "Annemariemarie, wie heißt dein viertes Kind? Das Kind heißt Theodor, denn es geschah im Fußballtor, eieiei Jungejungejunge, Annemarie." "Annemariemarie, wie heißt denn nun dein Mann? Ich habe keinen Mann, ich lasse jeden ran, eieiei Jungejungejunge, Annemarie." Inzwischen singen nur noch Pursi-Mutter und Nachbarin lauthals und Pursi leise, denn der Rest ist schon nach Has gegangen. Pursi ist dazu übergegangen, während des Singens Beweisvideos zu machen. Pursi-Mutter feiert dieses Jahr schließlich den Sechzigsten, und sowas kann man immer gebrauchen. Der Nachbar beschließt, dass wir die Nachbarin und Pursi-Mutter ohne Probleme an Feiern als Stimmungskanonen vermieten können. Pursi überlegt, wie man wohl eine Lizenz zum Singen in der Berliner S-Bahn in bekommt.

Gegen viertel nach 11 wird es scließlich zu kalt zum Singen und Pursi, Pursi-Oma und Pursi-Mutter wandern als letzte Gäste nach Hause. Aufgeräumt wird morgen, der Vorteil von frostigem Wetter ist auch, dass man keinen Kühlschrank für die Buffetreste braucht. Pursi-Mutter beklagt einen am Schlappen zu haben, worauf Pursi nur den Ratschlag gibt, einfach das Bein aus dem Bett zu hängen, wenn sich alles dreht, das bremst dann. Der Hund freut sich halb weg. Wahrscheinlich, weil das Gesinge aus dem Nachbarhaus endlich aufgehört hat und es endlich ruhiger wird. Und somit ist der Schwägerinnen-Geburtstag zu Ende.

Und Pursi bekommt einen gehörigen Schluckauf, der auch auf den Hund abfärbt. *hick*

BTW Sektgläser: kleine Anekdote aus dem Theater: Pursi am letzten Samstag zu den zahlenden Gästen, denen sie gerade zwei Gläser Sekt auf die Theke gestellt hat: "Zwei Gläser Sex(t), das macht dann acht Euro." Barneuling J. lacht fröhlich ins Kühlfach, während Pursi versucht halbwegs ernsthaft den Gästen ihr Wechselgeld wiederzugeben, bevor sie in längeres Gegicker ausbrechen kann.