Montag, 28. Juni 2010

Home Sweet Home

Die Centi hat mich angeprangert, dass ich nichts über den ersten Arbeitstag berichtet habe. (Bei Centi fällt mir ein, dass gestern meine erste Kornblume im Garten aufgeblüht ist.) Das liegt daran, dass ich abends meistens so platt bin, dass ich keinen Bildschirm mehr anschauen kann. Ich starr ja jetzt schließlich den ganzen Tag drauf. :D

Der erste Arbeitstag ... der ist ja schon so lange her. Vielleicht berichte ich lieber über meine erste Gehaltsabrechnung, die ich heute bekommen habe. Höhöhö. Aber jetzt mal ernsthaft. Der erste Arbeitstag, wie auch die letzten zwei Wochen waren ziemlich überwältigend. Es ist unheimlich viel Zeug, dass ich lernen und mir einprägen muss, von so einfachen Sachen wie der Projektdateistrukturen und dem Anheuern von Übersetzern bis zum Analysieren und Kalkulieren der Projekte und der Nutzung der Firmensoftware zur Abrechnung. Vom Gebrauch der Pad-Kaffeemaschine ganz zu schweigen. Es ist einfach verdammt viel, aber inzwischen kann ich Projekte selbst bearbeiten, es dauert halt nur noch etwas länger. Die ersten Sachen hab ich auch schon hinter mir, inklusive dem Chaos-Projekt (wobei das noch nicht vorbei ist), bei dem wirklich alles auftaucht und schiefgeht, was so schiefgehen kann. My, was hab ich da schon in die Tischkante gebissen. Meiner Kollegin und Vorgesetzten gehts allerdings zur Zeit nicht besser, die hat auch so ein Nerv!-Projekt am Laufen. Aber ja, wir steuern jetzt so langsam auf das Sommerloch zu, da wird es etwas ruhiger werden. Und ich werde dann demnächst auch noch in das Lektorat eingearbeitet.

Es ist also anspruchsvolle und stressige Arbeit. Aber das wusste ich vorher, Agenturbetrieb ist nunmal nicht gemütlich. Spaß macht es trotzdem, besonders, wenn man dem Kunden was liefern kann und von dem Projekt dann wirklich nichts mehr hört, weil alles zur Zufriedenheit erledigt war. Das Umfeld in der Firma stimmt jedoch. Die Kollegen sind nett, meine Büromitinsassin/Köllegin/Vorgesetzte hat mich ja angeheuert und ist sehr nett und geduldig, besonders dann, wenn ich mal hemmungslos auf dem Schlauch stehe. Und wenn ich bei der Programmbenutzung endlich mal nicht mehr ewig suchen muss und mir das leichter von der Hand geht, wird es noch mehr Spaß machen. Ich bin ja eh der Typ, der Einarbeitungsphasen nicht leiden kann. Die könnte ich immer überspringen. Aber in was man sich sonst alles so reinfinden muss, wenn man wieder nur ein Leben hat und nicht mehr so entzwei gerissen ist: früh aufstehen, wer benutzt wann das Bad, Stullen machen, jeden Tag zwei Stunden Autofahrt (die mir aber gerade morgens nichts ausmachen, ich brauch eh solange, bis ich wach und einsatzbereit bin), tanken (wär ich doch in der ersten Woche beinahe auf der Straße stehengeblieben, weil ich an der Tanke vorbeigefahren war und dann keine günstige gefunden hab), sinnvolle Abendgestaltung.

In der ersten Woche war ich echt zu geplättet zu irgendwas. Seit letzter Woche steht aber mehr und mehr Gartenarbeit an. Außerdem gehts abends mit den Dorfnachbarinnen auf eine 20-km-Radtour in zügigem Tempo. Mal sehen, ob wir heute noch fahren oder ob die Nachbarschaft sich immer noch mit Muskelkater quält. Denn *trommelwirbel* ich bin am Samstag offiziell aus der Berliner Wohnung ausgezogen. Wer also noch eine Berliner Adresse von mir hat: ihr könnt sie wegwerfen. Ansonsten war der Umzug ... anstrengend, aber befriedigend. Ich hab ja im vierten Stock gewohnt und bin bei einer Mordshitze ausgezogen. Eingezogen bin ich auch bei Mordshitze. Zum Glück waren wir auch nicht wenig Leute, mein Bruder, sein Beinahe-Schwager, zwei Nachbarn und eine Freundin aus Schulzeiten haben mitgemacht. Wir drei Mädels sind mit einem Auto vorgefahren und haben dann gepackt wie die Verrückten, die drei Männer kamen mit dem LKW (der eigentlich nur ein Sprinter werden sollte, aber der war aus Versehen schon wieder verliehen, also gabs den Wagen eine Nummer größer zum gleichen Preis) hinterher.

Ich hatte am Abend davor ja schonmal mit Kisten zusammensuchen, Zeitungen einpacken, Decken organisieren und schätzen, ob das denn so alles passen würde, angefangen. Ich stand also vor einem Stapel Kisten und schätzte 4 für die Bücher, 2 für die DVDs, 3 fürs Geschirr und ähnliches - und schon waren die Kisten alle weg und Schreibtisch, Dekokrams, Computerkrams, Technikkrams und Unikrams noch nicht mal ansatzweise gepackt. Ich also zur Nachbarin rüber, die mir noch Umzugkisten angeboten hatte, und diese noch ausgeliehen. Als ich damit wieder daheim ankam, wurde ich sowohl von Muttern als auch von Bruder angemacht, warum ich denn bitte soviele Kisten mitschleppen will. Man könne doch auch alles dann so lose da ins Auto schmeißen. Boah, was war ich sauer. Keine Ahnung haben, was ich so in und auf meinen Schränken und unter meinem Bett verstauen kann, aber mich anmaulen, weil ich soviele Kisten besorge, dass es reicht. Und dann auch noch sagen, man kann das ja dann so nehmen. Klar, dann geht man nur für den Inhalt einer Kiste ungefähr 5 mal die vier Etagen. Und Recht hatte ich auch noch. Als die Männer ins Zimmer kamen am Samstag, ist ihnen auch erstmal die Kinnlade runtergekippt. Das ich ne komplette Wohnung in dem Zimmer hatte und in den 5 Jahren, seit ich da wohnte, noch viel angeschafft habe, war denen wohl wirklich nicht in den Kopf gekommen. Aber gut, dass ich mich nicht hab beirren lassen.

Von den Mitbewohnern war übrigens nur eine da. War mir auch recht, ich muss von denen keinen wiedersehen. ;) Sie hatten ja gesagt, ich kann alles mitnehmen, was meins ist. Also ließ ich voller Genugtuung Flurlampe und Badezimmerschrank abbauen. Den Netzrouter hab ich selber ausgekabelt. Nicht das ich das Ding brauche, aber da lassen brauch ichs auch nicht. Der Umzug war bis kurz nach Mittag gelaufen, dann fuhr ich noch ein letztes Mal mit dem Fahrrad zum Lidl, um Wasser und Plastegabeln zu kaufen, denn meine Gabeln für den Kartoffelsalat lagen in irgendeiner Kiste an einem Ende des LKWs, zu dem ich nicht hinklettern konnte. Nach dem Futtern gings auf wieder nach Haus. Ich bin übrigens zum ersten Mal Auto gefahren in Berlin für die Aktion. Konnt mich aber auch nicht stören, jetzt fahr ich ja eh jeden Tag Autobahn. Tja, und jetzt besteht meine Abendbeschäftigung im Kistenauspacken, Dinge sortieren und schauen, was noch in mein Zimmer hier hineinpasst. Aber das Glück haben wohl nur die Bücher, die DVDs und die Bilder an den Wänden. Die Bücher und DVDs sind auch schon ausgepackt, ein paar Bücher werde ich auch aussortieren und unter die Leute bringen. Ich seh mich schon einen Sonntag auf dem Flohmarkt stehen und mein überflüssiges Zeug verhökern.

Tja, das waren die letzten zwei Wochen. Wahnsinnig viele Veränderungen und das Zusammenführen von zwei Leben. Übrigens hat sich die Firma gemelden, bei der ich Praktikant war. Eine Stelle wär frei, ob ich denn nicht gerne und so. *hüstel* Ja nee, ne. Auch wenn Arbeitsklima gut und Kollegen nett waren, Arbeitszeiten und Bezahlung warens nicht. Und das Umfeld erst. Wer will denn schon in Berlin wohnen. ;-)

1 Kommentare:

Centaurea hat gesagt…

So, besser spät als nie:

Füüünf Jahre! Krass, oder? Ich hatte vor meinem kürzlichen Umzug auch fünf Jahre in ner hässlichen Bruchbude gehaust, und hinterher ist es einem ja echt unbegreiflich, wie man das da so lange aushalten konnte!

Freut mich jedenfalls, dass du dich da anscheinend gut einfindest - und ich bin sicher, dass das demnächst noch besser wird. Am Anfang steht man ja vor einer neuen Arbeit immer erst mal wie ein Schwein vorm Uhrwerk. Ich jedenfalls.

Aber du pendelst nur insgesamt zwei Stunden am Tag, oder? Nicht hin und zurück jeweils... :uhoh:

Keep blogging! :)