Freitag, 30. Juli 2010

Weihnachtskugeln im Sommer

Heute war ein schöner Tag. Relativ entspannte Arbeit, recht früher Feierabend, Fahrt über Land in Mutters Heimatdorf, da noch einmal über den Friedhof geschlendert (meine Großeltern liegen da), dann nach Hause gezockelt, bei der Ankunft Hund und Katze bespaßt, mich da schon gewundert, woher das Rauschen kommt, die Haustür aufgemacht - und im Wasser gestanden. Der Hund blieb vor lauter Böh? schon draußen, die Katze kam mit rein und schüttelte entgeistert die Pfötchen, während ich entgeistert den Kopf schüttelte und erstmal die Quelle des Rauschens ausfindig machte.

Unter der Spüle in der Küche wurde ich fündig, da spritzte das Wasser aus der Zuleitung zum Wasserhahn. Wobei ich das noch gar nicht erkannt hab, ich hab nur erstmal panisch überlegt, wo der Haupthahn genau ist. Im Keller! Also die Tür direkt hinter mir aufgemacht und in den Keller hinab. Da sah es auch schon lustig aus. Vorne ging es ja noch, doch nach drei Schritten waren die Füße mitsamt Schuhen unter Wasser, dazu kroch mir das Wasser die Jeans hoch und von oben kam es auch noch, weil es wie Regen von der Decke tropfte. Irgendwie erinnerte es mich stark an die Titanic. In dem Moment ging mir auch mal kurz durch den Kopf "Was wenn hier irgendwo Strom dran ist?" Aber da war es ja eh schon zu spät. Ich musste auch noch in die hinterste Ecke zu den Wasserhähnen stapfen. Ich hab da an allem gedreht, was da war, das Rauschen da oben in der Küche hörte nicht auf. Aber halt, da oben gabs ja auch noch Hähne unter der Spüle. Also wieder zurück durchs Wasser, die Treppe hoch, an den Spülschrank, an der Wasserfontäne vorbeigegriffen und dann da an allem gedreht, was da war, und siehe - es ließ nach und hörte schließlich ganz auf. Ab dem Punkt konnte ich dann das Tropfen im Keller hören - unsere eigene Tropfsteinhöhle! :D

Ich muss aber zugeben, an dem Punkt, als ich das Wasser abgedreht hatte und die erste Bestandsaufnahme gemacht hatte, da war mir nicht nach Witzeln zumute. In der Diele und in der Küche stand das Wasser nur einen Centimeter hoch, aber es war halt überall. Ein Stückchen war es in mein Zimmer reingelaufen, Teppich und Boden (und Johnny Depp in der From Hell-DVD) waren leicht nass. Der Keller stand knöcheltief unter Wasser, ich wollte auch gar nicht wissen, was wir da letztens alles runtergestellt hatten. Die Nähstube war komplett unter Wasser. Die liegt direkt neben der Küche und was nicht direkt in den Keller gelaufen ist, wurde vom Teppich da aufgesogen. Das Bad daneben liegt etwas höher und hatte zum Glück nichts abbekommen. In die Schlafstube war es auch hineingelaufen und wir werden morgen sehen, ob wir da noch den Schrank ausräumen und abrücken müssen.

Da stand ich also mit meinem Wasserschaden. Als erstes ging ich vor die Tür und schälte mich aus klatschnassen Schuhen, Socke und der Hose. Dann erst einmal Mutter angerufen, auf Wasserschaden vorbereitet und gefragt, ob ich irgendwem Bescheid sagen muss. Dann überlegt. Feuerwehr? Quark, ne Pumpe zum Keller trockenlegen haben wir selber. Also Bruder angerufen. Den hatte ich schonmal panisch versucht zu erreichen, aber er war nicht rangegangen. Jetzt auch wieder nicht. Also die Schwägerin angerufen, die auch ranging und sagte, dass sie sich gleich auf den Weg machen würden. Meinen Bruder hatte sie auch gleich im Schlepptau. Ich sah mir inzwischen die Bescherung genauer an und machte mich dann ans Aufräumen. Was erstmal Ausräumen hieß, angefangen bei den alten Dingen aus Holz in der Diele: das Spinnrad, Butterfass und so weiter, die alle im Wasser gestanden hatten. Mit Handtuch und Eimer gings ans Wischen unter stetiger Beobachtung der Katze, der das alles sehr suspekt vorkam.

Dann kam das Nähzimmer dran - es musste alles raus, damit der Teppich rausgeholt werden konnte. Als Muttern nach Hause kam, konnte ich ihr gleich erstmal auftischen, dass sie ja eh immer mal die Schränke ausmisten wollte. Das Leinen und die Wäsche aus dem Wäscheschrank ging ja schnell. Aber der andere Schrank, was war da nur fürn Kram drinne. Naja, jetzt steht das Zeug erstmal draußen unter der Terrasse. Danach ging es mit dem Keller weiter, mit nassen, durchgesifften Kartons und dem für mich eigentlich schlimmsten Schaden: die Kiste mit den Weihnachtskugeln hatte was abgekriegt. Wir haben immer noch die alten bunten Kugeln, die bei uns jedes Jahr wieder an den Baum kommen, und meine Lieblingskugel, die wir seit über 20 Jahren hatten, die hat wohl dran glauben müssen. Der Karton stand vollkommen im Wasser und bei der Kugel ist die Hälfte weggewaschen.

Aber so kam es, dass die Weihnachtskugeln mal im Sommer hervorgeholt wurden. Ich musste alle Kartons auspacken und auf Wasserschäden untersuchen, denn bei Feuchtigkeit laufen die Kugeln an und dann kann man sie wegwerfen. Inzwischen hatte mein Bruder in Gummistiefeln, mit Pumpe und Schippe bewaffnet, den Keller wieder trockengelegt, während ich die Kugeln mit Borte drum herum, die nass geworden waren, unter der Terrasse an die Wäscheleine hängte. Mutter wischte derweil die Diele trocken, die jetzt schon wieder aussieht, als ob nichts gewesen wäre.

Alles in allem haben wir auch noch Schwein gehabt. Wär es im Winter passiert, wär es weitaus schlimmer gewesen, das alles aufzuräumen und sich nicht ne dicke fette Erkältung zu holen. Wär es heute morgen losgegangen, hätten wir im Keller schwimmen gehen können und mein Zimmer und Mutters Schlafstube hätten auch noch dran glauben müssen. Das Abtrocknen der Mauern würde auch länger dauern. So brauch ich nur über den Grillrost steigen, den ich unter meinen Teppisch geschoben hab, damit da Luft rankommt, wenn ich nachher ins Bett will, und Schlappen anziehen, wenn ich durchs Nähzimmer ins Bad will. Solange schlürfe ich meinen Belohnungssekt.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Zu früh gefreut.

Ich hätte letzte Woche echt nicht so laut auf hohem Niveau jammern sollen. Diese Woche bin ich nämlich alleine da, da meine Kollegin ihre Überstunden abbaut. Und nachdem ich gestern ein paar mal schreiend im Kreis hätte rennen können, war es heute wieder so halbwegs okay. Okay, ich durfte heute zum dritten Mal die gleiche Kalkulation machen, weil es dem Kunden eingefallen ist, dass da ja doch noch was geändert werden musste. Und gewisse Dinge werden und werde einfach nicht fertig, weil mir die Übersetzer fehlen.

Aber ansonsten tut mir das alleine arbeiten eigentlich recht gut. Ich rufe zwar jeden Tag meine Kollegin an, weil ich ein bis zwei Dinge fragen muss, aber das ist jetzt so ein bisschen der Probelauf für dann, wenn sie ihren Urlaub nimmt - dann will ich sie nämlich nicht mehr anrufen. Bis dahin muss ich Entscheidungen selbst treffen können oder wissen, wen in der Firma ich fragen kann. Aber heute hatten alle so ein bisschen Mitleid mit mir, weil ich so vollkommen einsam hinten im letzten Büro sitze und vor mich hin tippe. Es kamen so einige zum Feierabend-Wünschen vorbei, weil ich natürlich wieder mal als Letzte gegangen bin. Naja, ich muss ja auch irgendwann mal von meinen Minusstunden von letzter Woche runter.

Ansonsten freue ich mich über die Freuden der Mutter-Tochter-WG. "Du kannst ja wohl mal aufräumen, ich kann das nicht mit ansehen." - "Dann mach sie zu, dafür ist sie da." (Anmerkung: Die Tür zu meinem Zimmer wohlgemerkt.) "Wir drecken hier ein!" - "Mutter? Wir machen mindestens alle zwei Wochen sauber... :suspekt:" Das ich chronischer Spätschläfer jetzt vor meiner Mutter ins Bett gehe ist auch manchmal etwas problematisch. Auf der anderen Seite der Wand neben meinem Bett ist nämlich Mutters Wohnzimmer, und Mutter schaut langsam etwas lauter fern. Und ich warte auf den Tag, wenn sie sich beschwert, dass ich meinen Abwasch so hinstelle und sie ihn machen muss. (Wir erwähnen hier nicht, dass sie ein paar weniger Stunden am Tag unterwegs ist als ich.) Nunja. Dass das nicht so einfach werden würde, wusste ich ja. Da müssen wir durch. Wir kriegen das schon hin. Inzwischen bin ich ja nicht mehr so vollkommen fertig nach der Arbeit, dass ich zu nichts zu gebrauchen bin.

Zu diesem Zweck - nämlich der sinnvollen Abendgestaltung - habe ich heute auch mal nach Sportvereinen mit Volleyballmannschaft in der Nähe gesucht, und siehe da: es ist unheimlich schwer darüber was im Internet zu finden. Hnnngs. Muss ich wohl einfach mal bei wem anrufen. Oder zum Turnier gehen oder sowas.

Ansonsten war am Wochenende Omas 90. Geburtstag. Aus diesem Grund hatten wir meine beiden Cousins zu Gast und dazu dann die Dorfjugend und die Schwester meiner Schwägerin samt Freund, mit denen wir den Abend auf der Terrasse versoffen haben. Ich hab mal wieder das Licht ausgemacht zusammen mit meinem Cousin (wir erinnern uns an die letztjährige Pampa?). Cousin Nummer Zwei wiederum verbrachte den Großteil des Wochenendes im Vollrausch - nach rauschendem Bier und Wodka-Sprite (Yikes! :bradpitt:) rauschten am Sonntag nur noch die Kopfschmerzen, als sich der Jammer der Katze einstellte. Es gab mal Zeiten, da fand ich ordentlich einen trinken und ausgelassen sein auch noch ganz nett, aber das waren ja mal ganz andere Dimensionen. Naja, wer nicht weiß, wann er aufhören muss, dem ist nicht zu helfen. Das Wochenende war aber trotzdem sehr schön, auch wenn ich mir fürs nächste Mal, wenn die beiden vorbeikommen, mal etwas Unterhaltungsprogramm ausdenken werde.

Und sonst so: Ich erwarte dann das nächste H&M-Paket. Anscheinend hole ich in Sachen Klamottenkauf alles auf, was ich mir in den letzten zwei Jahren versagen musste. :ugly: Ein bisschen Geld muss aber trotzdem für eine neues Auto liegenbleiben. Wobei der Kleine demnächst mal einen neuen Auspuff braucht. Und was weiß ich sonst noch. Ich sollte mich vielleicht doch endlich mal beim ADAC anmelden. Wenn ich in WOB liegenbleibe, bin ich ja mehr als hilflos.

Und in einer Stunde muss ich schon wieder im Bett liegen und ich hab noch nicht einmal Abendbrot gegessen. *kochengeh*

Donnerstag, 22. Juli 2010

Ein freier Tag ist schön.

Ab zweien wird's aber langweilig. Und ein dritter - unerträglich! Bei uns herrscht gerade das Sommerloch, weswegen ich seit gestern frei habe. Darüber bin ich jetzt nicht so traurig, konnte ich doch deswegen Großmutters Geburtstagsgeschenk fertigbasteln, heute mit zu ihrem Empfang zum 90. und das alles ohne Stress und Druck. Dennoch, bei dieser Hitze neige ich dazu, zuviel Zeit zu verdaddeln und alles, was ich sonst noch zu tun habe vor mir her zu schieben.

Man kann sich aber auch wirklich zu nichts aufraffen. Zum Denken ist es zu heiß, zum Handarbeiten schwitzen einem die Finger zu sehr, zum Nähen auch, beim Aufräumen schwitzt man auch viel zu doll und draußen kann man sich auch nicht aufhalten, weil es zu heiß ist. 5 Grad weniger, da wärs auch noch schön. Warm, aber nicht so, dass es einen vollkommen lahmlegt. Dafür ist es abends schön, da kann man schön lange mit einem Buch draußen sitzen oder unterm Sternenhimmel in den Pool steigen.

Nunja, am Montag geht's ja dann wieder los. Mal sehen, wieviele freie Tage nächste Woche auf mich zu kommen.

Dienstag, 6. Juli 2010

Die Freuden des Pendelns

Hachja, ich erlebe es jeden Tag, eine Stunde morgens auf dem Weg hin zur Arbeit und eine Stunde abends zurück. Vollidioten, die einen auf der Autobahn rechts überholen, Deppen, die auf der Landstraße unbedingt 140 fahren müssen und sich in meinen Sicherheitsabstand drängeln, das Radio, das immer die gleichen Lieder spielt, wobei ich immer auf der Hälfte der Strecke den Sender von Cooles Ost-Radio zu Cooles West-Radio wechseln muss, Wasserwerfer, die statt dem Getreide auf dem Feld volle Granate die Autos auf der Straße treffen (danke für die Wäsche auch), LKWs, deren Fahrer zu blöde zum Lesen sind und sich trotz mehrfacher Warnschilder trotz Überlänge durch das Nadelöhr von enger Kurve eines Dorfes zu drängen, durch das sie nicht durchkommen, ohne ein Haus zu streifen. Und ich meistens relativ entspannt mittendrin. Jedenfalls nachdem ich die deppigen Autofahrer angebrüllt habe.

Heute hatte ich dann mal besonders viel Spaß: Ich fuhr morgens los, als ich bemerkte, dass meine Öllampe etwas in Morsezeichen von sich zu geben schien. Ich achtete nicht so genau drauf, was es war, aber es sah jedenfalls panisch aus. Zum Glück war ich noch nicht so weit vom Dorf weg, also wieder umgedreht und zurückgefahren. Die Familie war natürlich schon komplett ausgeflogen. Also meinen Bruder angerufen. Der nicht ans Telefon ging. Nochmal angerufen. Keine Antwort. Und was macht man in dem Fall? Richtig, man schmeißt den Nachbarn aus dem Bett. Der kam auch promt und kontrollierte den Ölmesser. Dieser kam nach Abwischen und wieder Eintauchen blitzeblank aus dem ... Dingsda wieder raus. (Ach, man gut, dass ich bei ner Technischen Dokumentation arbeite, da lern ich vielleicht noch, wie das Dingsda heißt.)

Es musste also Öl her. Wir gingen in die Garage, fanden eine Menge Kanister, aber nicht heraus, was davon das Olivenöl für den Salat und was für den Motor war. Also wurde bei der Firma meines Bruders angerufen, deren Bürofrau (oder wars gar die Chefin?) mich mal eben quer durch die Halle zu ihm hintragen durfte, damit er mir sagt, wo der richtige Kanister ist. Gesagt, getan. Drei Liter hat mein Nachbarn meinem blauen Flitzer gefüttert. Danach schnurrte er wieder wie ein Kätzchen. Okay, eines mit Tinnitus, denn irgendwas pfeift da noch ganz hochfrequent beim Fahren. Aber das klären wir dann demnächst. Dank Gleitzeit war das morgendliche Chaos auch gar nicht so schlimm. Bei der Arbeit läuft auch alles etwas besser, nachdem ich letzte Woche das absolute Chaos-Projekt hatte. Man merkt schnell, was für ein Spaß es macht Dienstleister zu sein. Man ist immer der Angearschte.

Etwas Nettes hat die Fahrerei aber doch: In einem Dorf sitzt jeden Morgen ein älterer Herr auf der Banke vor seinem Haus und schaut dem Verkehr zu. Inzwischen grüßt er schon, wenn ich vorbeifahre. :-) Und so hab ich Centis Wunsch erfüllt: bloggen und die Frage zum Ausmaß des Pendeln beantwortet. (Uhhhh, zwei Stunden pro Tag reichen auch.)